Atheistisches Kinderbuch auf den Index? Religions-Freiheit für Kinder

Das Familienministerium will das atheistische Kinderbuch „Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel“ als „jugendgefährdend“ auf den Index setzen. Es dürfte Kindern nicht mehr zugänglich gemacht werden, was de facto einer Zensur gleichkäme. Nach Ansicht des Ministeriums werden „[i]n dem Buch … die drei großen Weltreligionen Christentum, Islam und das Judentum verächtlich gemacht“.

In dem Debattenbeitrag „Wie antijüdisch darf ein atheistisches Kinderbuch sein?“ von Welt-am-Sonntag-Kommentarchef Alan Posener gibt es so schöne Passagen wie:

„Der Versuch, unmündige Kinder zu Atheisten zu machen, ist überdies nicht besser, als der Versuch, sie zu Christen, Juden oder Muslimen zu machen. Genauso wenig wie es jüdische, christliche oder muslimische Kinder geben dürfte, sollte es atheistische Kinder geben. Kinder sind Kinder. Die Frage, ob es einen Gott (oder hundert Götter) gibt, und ob er Jahwe, Vater-Sohn-Und-Heiliger-Geist oder Allah (oder Zeus, Hera, Venus usw.) heißt, sollten Menschen möglichst ohne frühkindliche Indoktrination in einem Alter entscheiden, in dem sie nicht mehr an den Weihnachtsmann und den Klapperstorch glauben – oder daran, dass ihre Eltern immer die Wahrheit sprechen.“

Rechtlich sind missionarisch tätige Eltern allerdings leider auf der sicheren Seite. Denn die sogenannte Religionsmündigkeit tritt erst mit Vollendung des 14. Lebensjahres in Kraft. Bis dahin müssen Kinder glauben, was anderen ihnen vorbeten. Auch wenn das eigentlich gar nicht geht. Doch es soll ja immer noch Eltern geben, die ihre ungläubigen 13jährigen in die Kirche und zum konfessionellen Religionsunterricht schleifen, in der Hoffnung, sie würden so zu „Gott“ finden oder zumindest vor der „Hölle“ bewahrt werden.

Und noch eine schöne Passagen aus dem Artikel:

„Kinderbücher, die zu unterhalten vorgeben, in Wirklichkeit aber erziehen wollen, sind ohnehin eine Pest. Eigentlich gehörten sie alle verboten. Aber Kinder sind weniger doof, als die meisten Eltern und Zensoren glauben. Wenn sie die Gelegenheit und die Wahl haben, greifen sie instinktsicher zu moralfreien Geschichten wie ‚Pu der Bär‘.“

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2 Kommentare »

  1. Benni said

    Als Gegengewicht zur alltäglichen Religionspropaganda schon im Kindergarten finde ich ein atheistisches Kinderbuch aber schonmal nicht schlecht. Man sollte Kindern alle Varianten erklären soweit man dazu in der Lage ist damit sie eine informierte Entscheidung treffen können. Nur genau das leistet ja die übliche religiöse Indoktrination von Kindern meist nicht.

  2. […] auf den Index. Dies entschied die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften am 6. März. Wie berichtet, hatte das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend beantragt zu prüfen, ob das […]

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