Hamburg: Wahlkreislisten der Linken doch nicht unbedeutend

Anfang Februar schrieb ich, dass in Hamburg die Veränderung der Wahlkreislisten für Linke und FDP nicht von Bedeutung sein wird, da sie ohnehin keine Direktmandat erhalten würden. Nach der Auszählung der Wahlkreisstimmen hat sich dies als nicht ganz richtig erwiesen. Denn die Linke hat in den Wahlkreisen 1 (Hamburg-Mitte), 2 (Billstedt-Wilhelmsburg-Finkenwerder) und 3 (Altona) jeweils ein Direktmandat erhalten. Die FDP hat ein Direktmandat im Wahlkreis 4 (Blankenese) nur knapp verpasst.

Wie erwartet haben CDU und SPD aufgrund der Mehrmandatswahlkreise keine Überhangmandate erhalten. Allerdins sind die Grünen nur knapp daran vorbeigeschrammt. Den Grünen stehen nach ihren Listenstimmen landesweit 13 Mandate zu. In 11 Wahlkreisen haben sie ein Mandat gewonnen. In anderen Wahlkreisen sind sie nicht sonderlich weit von einem Mandat entfernt gewesen.

Wie kommt es zu diesem unerwartet guten Abschneiden der kleineren Parteien in den Wahlkreisen? Zum einen haben sie in den Wahlkreisen tatsächlich einen größeren Stimmenanteil als auf der Landesebene erhalten. Entscheidend ist aber das Prinzip, nach dem die Direktmandate in den Mehrmandatswahlkreisen vergeben werden. Dies geschieht nach Wahlkreislisten. Die Stimmen der Wahlkreiskandidaten zählen dabei jeweils auch für deren Wahlkreisliste. Die Mandate werden zunächst auf die Listen verteilt, bevor sie auf konkrete Personen verteilt werden. Bei der Verteilung auf die Listen wird das Höchstzahlverfahren nach Sainte-Lague verwendet. Dadurch ist das jeweils erste Mandat einer Partei relativ günstig zu haben.

Schauen wir uns dies konkret an den Zahlen des Wahlkreises Altona an. Da insgesamt 5 Direktmandate in dem Wahlkreis vergeben werden, ist entscheidend, auf welche Wahlkreislisten die 5 größten Zahlen bei Anwendung der Divisorreihe 1; 3; 5; 7 entfallen.

  CDU SPD Grüne FDP DIE LINKE Kusch ödp Die PARTEI PIRATEN
Stimmen 82.579 97.430 72.851 16.959 31.972 1.336 2.065 4.027 2.205
Stimmen : 1 82.579 97.430 72.851 16.959 31.972 1.336 2.065 4.027 2.205
Stimmen : 3 27.526 32.477 24.284 5.653 10.657        
Stimmen : 5 16.516 19.486 14.570 3.392 6.394        
Stimmen : 7 11.797 13.919 10.407 2.423 4.567        

Das erste Mandat geht an die SPD, das zweite an die CDU, das dritte an die Grünen, das vierte wieder an die SPD und das fünfte an die Linke (jeweils fettgedruckt). Somit hat die SPD zwei Mandate gewonnen und CDU, Grüne und Linke je ein Mandat.

In dieser Konstellation hat die Linke ihr Mandat gewonnen, weil sie mehr als ein Drittel so viele Stimmen wie die CDU bekommen hat. Daher war die durch 1 geteilte Stimmenzahl der Linken größer als die durch 3 geteilte Stimmenzahl der CDU.

Ähnlich ist die Situation ist Wahlkreis 1 (Hamburg-Mitte).

Im Wahlkreis 2 gingen je 2 Mandate an SPD und CDU. Die Linke bekam dort das 5. Mandat, weil ihre durch 1 geteilte Stimmenzahl größer ist als die durch 5 geteilte Stimmenzahl der SPD. So haben der Linken dort 9,3 % der Stimmen für ein Mandat gereicht, weil die Stimmen von Grünen (6,7 %), FDP (3,7 %) und sonstigen überhaupt gar nicht erst betrachtet wurden.

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