Übertragbare Einzelstimmgebung und Frauenquote

Manche Organisationen sehen für ihre Wahlen eine Frauenquote vor. Wenn eine Organisation bereit ist, ihre Wahlverfahren für Gremien und Delegierte auf die Übertragbare Einzelstimmgebung (STV) umzustellen, an der Frauenquote aber festhalten möchte, wie lässt sich die Frauenquote dann integrieren?

Variante 1: Zwei Wahlgänge

Ein Weg besteht darin, einfach zwei Wahlgänge durchzuführen. Im ersten Wahlgang dürfen nur Frauen kandidieren; und es sind so viele Sitze zu vergeben wie nötig sind, um den vorgeschriebenen Frauenanteil zu wählen. Im zweiten Wahlgang dürfen dann sowohl Frauen und Männer kandidieren; dort werden die übrigen Sitze vergeben.

Vorteil dieser Variante ist, dass die Auszählung nach den normalen STV-Regeln erfolgen kann und bestehende Auszählungsprogramme verwendet werden können.

Nachteil ist, dass in jedem Wahlgang nur eine kleinere Zahl von Sitzen zu besetzen ist (in der Regel halb so viele); dadurch sinkt das Maß an Proportionalität, weil der prozentuale Stimmenanteil, der für einen Sitz notwendig ist, größer ausfällt. Wenn z.B. 4 Sitze zu vergeben sind und eine 50%-ige Frauenquote gilt, dann werden zwei Wahlgänge für jeweils 2 Sitze durchgeführt. Ein Kandidat benötigt dann gut ein Drittel der Stimmen, um gewählt zu werden. Würden alle 4 Sitze gemeinsam vergeben, wären nur gut ein Fünftel der Stimmen für einen Sitz notwendig.

Variante 2: Ein Wahlgang mit integrierter Frauenquote

Anhand der Anzahl der insgesamt zu vergebenden Sitze und der prozentualen Frauenquote wird zunächst berechnet, wie viele Sitze durch Frauen besetzt werden müssen. Die übrigen Sitze können demnach mit Männern besetzt werden. Sind also 6 Plätze zu vergeben und eine 50%-ige Frauenquote zu erfüllen, so müssen mindestens 3 Frauen und maximal 3 Männer gewählt werden.

Normalerweise wird der Übertragbaren Einzelstimmgebung nach der Übertragung aller Überschüsse der Kandidat mit den wenigsten Stimmen gestrichen, d.h. aus dem Rennen genommen. Damit die Frauenquote bei der Stimmenauszählung wirksam wird, muss diese Regel für die Streichung von Kandidaten jedoch modifiziert werden:

Wenn ein Kandidat gestrichen werden muss und der schwächste Kandidat eine Frau ist, wird diese nur gestrichen wenn danach noch mindestens so viele Frauen im Rennen oder bereits gewählt sind wie gemäß der Frauenquote mindestens gewählt werden müssen. Andernfalls wird der Mann mit den wenigsten Stimmen gestrichen. Damit wird sichergestellt, dass immer genug Frauen im Rennen bleiben, um so die Quote zu erfüllen.

Männer werden auch bei Erreichen der Quote nur für gewählt erklärt, solange die maximal zulässige Zahl gewählter Männer dadurch nicht überschritten wird. Ist die maximal zulässige Zahl gewählter Männer erreicht, werden alle übrigen ggf. noch im Rennen befindlichen Männer gestrichen (aus dem Rennen genommen); Stimmen können nur noch auf die verbleibenden Frauen (und bei Meeks Methode auch auf die bereits gewählten Frauen und Männer) übertragen werden. Falls zwei oder mehr Männer gleichzeitig die zur Wahl erforderliche Stimmenzahl erreichen und danach die maximal zulässige Zahl gewählter Männer überschritten würde, wird die noch zulässige Zahl an Männern für gewählt erklärt, und zwar jene mit den meisten Stimmen. Die restlichen Männer werden gestrichen. Durch diese Regelung wird sichergestellt, dass maximal so viele Männer gewinnen können, dass die Frauenquote noch erfüllt werden kann.

Dieses Regelung zur Integration von Quoten funktioniert natürlich nicht nur mit Frauenquoten, sondern auch mit Quoten zugunsten anderer Gruppen.

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