Archive for Wahlverfahren

Eine kurze Einführung in Präferenzwahlverfahren (Teil 2): mehrere Gewinner

Teil 2: Wenn mehrere Gewinner ermittelt werden sollen

Kreuze für 2 Gewinner

So wie in Teil 1 die Frage war, ab welchem Stimmenanteil ein Kandidat mit Sicherheit gewonnen hat, wenn genau ein Gewinner ermittelt werden soll und der Kandidat mit den meisten Stimmen gewonnen hat, so stellt sich nun die Frage: Ab welchem Stimmenanteil hat ein Kandidat mit Sicherheit gewonnen, wenn zwei Gewinner ermittelt werden sollen und die beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen gewonnen haben?

Es ist klar, dass bei einer Wahl mit mehreren Gewinnern ein geringerer Stimmenanteil genügt.

Nehmen wir an, die Stimmen von 100 Wählern verteilen sich folgendermaßen auf fünf Kandidaten:

A 30 Stimmen
B 28 Stimmen
C 22 Stimmen
D 12 Stimmen
E  8 Stimmen

A und B hätten gewonnen. Wenn sich aber die Wähler von E anders entscheiden und für C stimmen würden, läge C mit dann 30 Stimmen knapp vor B und gewänne, obwohl die Stimmenzahl von B unverändert ist. 28 Stimmen genügen also noch nicht. Aber auch A ist noch nicht auf der sicheren Seite, da er mit Hilfe der Stimmen der Wähler von D noch auf den dritten Platz verdrängt werden könnte, wenn sich diese so auf B und C verteilen, dass B und C auf jeweils mehr als 30 Stimmen kommen. Daher sind auch 30 Stimmen noch nicht genug. Den Rest des Beitrags lesen »

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Eine kurze Einführung in Präferenzwahlverfahren (Teil 1)

In letzter Zeit habe ich einiges zur Funktionsweise von Präferenzwahlverfahren für Wahlen mit mehreren Gewinnern veröffentlicht. Allerdings handelte es sich oft eher um technische Einzelheiten, die sich an Leute richteten, die die Grundidee schon verstanden haben.

Bislang fehlte jedoch noch eine leicht verständliche Einführung, die eine Antwort auf die grundsätzliche Frage gibt, wozu denn überhaupt Präferenzwahlverfahren nötig sind. Was also ist die Motivation dahinter und welche Probleme sollen sie lösen? Der folgende Text soll genau dies beantworten.

Die Logik von Präferenzwahlverfahren mit mehreren Gewinnern (STV) wird besser verständlich, wenn man sie im Zusammenhang mit der Präferenzwahl für Wahlen mit einem Gewinner (IRV) betrachtet und die Mehrere-Gewinner-Variante gewissermaßen als Fortsetzung und Verallgemeinerung der Ein-Gewinner-Variante versteht und aus dieser herleitet.

Aus diesem Grund besteht der Text aus zwei Teilen: Im ersten Teil dieser Einführung geht es um Wahlen, bei denen am Ende genau eine Person gewählt sein soll. Im zweiten Teil geht es um Wahlen, bei denen mehrere Personen gewählt sein sollen.

Es wird jeweils kurz dargestellt, warum Präferenzwahlverfahren zu faireren Ergebnissen, mehr Auswahl, weniger verschwendeten Stimmen und weniger taktischem Wählen führen.

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Präferenzwahl in Einer-Wahlkreisen – eine Verbesserung gegenüber relativer Mehrheitswahl?

Unter Anhängern der Übertragbaren Einzelstimmgebung gibt es eine Debatte (z.B. hier und hier) darüber, ob die Einführung der Präferenzwahl in Einer-Wahlkreisen (Instant-Runoff-Voting (IRV) oder Alternative Vote (AV)), wie sie in Australien praktiziert wird, eine Verbesserung oder eher eine Verschlechterung gegenüber der in Großbritannien, Kanada und den USA geltenden relativen Mehrheitswahl wäre. Den Rest des Beitrags lesen »

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Verzerrungseffekte der relativen Mehrheitswahl am Beispiel der Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen

Hin und wieder wird vorgeschlagen, in Deutschland – ähnlich wie in Großbritannien – ein relatives Mehrheitswahlrecht einzuführen. Bei dieser Wahlsystem wird nur mit einer Stimme und nur in Einer-Wahlkreisen gewählt; wer im Wahlkreis die meisten Stimmen hat, gewinnt.

Welche den Wählerwillen verzerrenden Effekte dies hätte, lässt sich gut an den kürzlichen Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen beobachten. Denn in den Wahlkreisen wird dort (wie auch in den Wahlkreisen der meisten anderen Bundesländern und auf Bundesebene) nach relativer Mehrheitswahl gewählt. Den Rest des Beitrags lesen »

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Ministerpräsidenten-Wahl in Drei-Parteien-Koalitionen

Bereits vor der Landtagswahl in Thüringen verkündete SPD-Spitzenkandidat Matschie, er sei zwar offen für eine Koalition mit der Linken, werde aber deren Kandidaten, Bodo Ramelow, nicht zum Ministerpräsidenten wählen. Ramelow wiederum verwies darauf, dass es in einer Koalition üblich sei, dass die stärkere Partei den Ministerpräsidenten stelle. Und bereits die Umfragen sagten voraus, dass die Linke stärker sein werde als die SPD – und so kam es denn auch.

Dass die stärkere Partei den Regierungschef stellt, mag in einer Zwei-Parteien-Koalition richtig sein – auf eine Drei-Parteien-Koalition lässt sich dies indes nicht ohne weiteres übertragen. Den Rest des Beitrags lesen »

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Bürgermeister in NRW schon ab 27 % – Liste der Bürgermeister und Landräte ohne Mehrheit

Im Jahr 2007 haben CDU und FDP in NRW die Stichwahl bei Direktwahlen abgeschafft. Dadurch gewinnt, wer im ersten und einzigen Wahlgang die relative Mehrheit der Stimmen erhalten hat.

Am 30. August wurden deshalb 103 Bürgermeister und Landräte mit weniger als 50 % der Stimmen gewählt.

Hier die Liste dieser Minderheiten-Bürgermeister. Den Rest des Beitrags lesen »

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Berechnung der Quote: Wie viele Stimmen braucht ein Kandidat, um gewählt zu sein?

In den letzten Wochen hatte ich mehrfach die Gelegenheit, das Wahlverfahren der Übertragbaren Einzelstimmgebung (STV) zu präsentieren. Meine neu erstellen Grafik-Präsentationen (für STV mit Zufallsauswahl, Schottische Methode und Meeks Methode), die den Vorgang der Stimmenübertragung durch eine Folge von Säulendiagrammen darstellen, haben sich dabei als recht nützlich erwiesen.

Eine Frage, die in den Präsentationen bislang nicht beantwortet wird, kam dabei immer wieder auf: Warum wird als Quote die Droop-Quote verwendet, statt einfach die Zahl der gültigen Stimmen durch die Anzahl der zu vergebenden Sitze zu teilen? Den Rest des Beitrags lesen »

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